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Erfahrungen nach Unfall mit Mietcamper

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Erfahrungen nach Unfall mit Mietcamper

Beitragvon Zeitreisender am Do 16. Mär 2017, 10:29

Da ich auf meiner letzten Reise einen Unfall mit einem gemieteten Allradcamper hatte und das sehr viele Probleme erzeugt hat, möchte ich hier meine Erfahrungen schildern. Dies soll helfen, dass anderen möglichst nicht ähnliches passiert.

Zunächst vorweg: Ich bin hier im Forum sonst unter einem anderen Usernamen unterwegs. Da ich mich aber in einem vollkommen offenen Rechtsstreit befinde, habe ich mich entschlossen ausschließlich für diesen Thread mir einen neuen Namen zuzulegen. Ich werde hier auf keinen Fall Firmennamen nennen, die Hinweise werden allgemeiner Natur sein, ich möchte meine Position in dem Rechtsstreit nicht schwächen. Daher werde ich auch keine PN beantworten, da dies Hinweise auf meine Identität geben könnte. Ich bitte um Verständnis!

Was ist also passiert:
Mir sind während einer Fahrt im Outback auf einer Major Unsealed Road gleichzeitig zwei Reifen kaputt gegangen (beide Hinterachse), was dazu führte, dass ich mich mit dem Allrad Camper einmal komplett überschlagen habe. Das Fahrzeug ist ein Totalschaden. Ich war alleine unterwegs und blieb zum Glück vollkommen unverletzt.
Die Reifen sind der zentrale Punkt dieser Sache. Zuvor verlor das Rad hinten links ständig Luft. Ich ließ ihn am Tag des Unfalls mit Zustimmung des Vermieters erneuern. Zuvor montierte ich das Ersatzrad, das merkwürdige Druckstellen (möglicherweise durch die Lagerung am Fahrzeug) an der Reifenflanke aufwies. Das Ersatzrad blieb auch nach der Reparatur an der Achse montiert, das neue Rad wurde dann das Ersatzrad.

Der Mechaniker wies mich noch darauf hin, dass der defekte Reifen in einem sehr schlechten Zustand war mit lauter kleinen Löchern und nur 4 mm Profil. Auch das Rad hinten rechts hätte nur knapp 4mm (eher 3,5mm)und entspräche nicht dem Standard. Da es aber keinen Luftverlust hatte, wurde es nicht getauscht. Nach der Reparatur fuhr ich noch ca. 120 km, dann kam es zu dem Überschlag. Offensichtlich ist zunächst das ehemalige Ersatzrad kaputt gegangen (ich denke, die Reifenflanke war tatsächlich vorgeschädigt). Ich spürte zunächst ein ganz geringes Schlingern. Ich realisierte, dass es nicht die Straße war und wollte anhalten. In dem Moment als ich vom Gas ging, muss der Reifen hinten rechts, der ja nun die ganze Last trug, wegen seines schlechten Zustandes kaputt gegangen sein, sofort brach das Heck aus, das Fahrzeug stellte sich quer und überschlug sich.

Als Versicherung hatte ich ein Complete -Cover - Package mit Premium Paket ohne jede Selbstbeteiligung, als Kaution wurde lediglich zuvor 250 AU$ von meiner Kreditkarte geblockt. Mehr kann man nicht abschließen.
Nun steht in den australischen AGB, dass sogenannte Single Vehicle Rollover nicht versichert sind. Der Vermieter weißt jegliche Verantwortung von sich, die Problematik der Reifen interessiert ihn nicht. Er versucht seitdem, mich voll haftbar zu machen.
Am Tag nach dem Unfall wurden sofort durch die Vermietung 5000 AU$ von meiner Kreditkarte (ohne Autorisierung) abgebucht. Dafür beriefen sie sich ebenfalls auf ihre AGB, die Ihnen angeblich das Recht dazu einräumen. Dazu benutzten sie die Autorisierung für die 250 AU$ Kaution. Mir wurde gesagt, dass ich kein Ersatzfahrzeug bekomme und auf eigene Kosten zur Mietstation zurückkommen muss.

Am nächsten Tag wurde das Fahrzeug von einer Firma in das 120 km entfernte Outback- Nest geschleppt. Dort stand es mehrere Wochen. Es wurde eine dubiose Wertermittlung gemacht, die Firma die diese erstellt hat, sitzt 3000km entfernt, hat das Wrack nie gesehen. Sie stützt sich bei der Bewertung nur auf E - Mail Angaben des Vermieters, Fotos des Abschleppers und allgemeinen Internetdatenbanken über Fahrzeugpreise. Mir wurde darauf eine Geldforderung über weitere 31500 AU$ übermittelt. In diesem Schreiben stand, ich hätte vor Ort gegenüber dem Abschlepper geäußert ich hätte einen Knall gehört, diesen ignoriert und wäre weitergefahren. Eine Lüge!

Zuvor hatte die Vermietung mir gegenüber mehrfach behauptet, es gäbe ein Übergabeprotokoll über 7mm Profiltiefe an der Hinterachse. Erst nachdem ich mit Strafanzeige drohte wegen Fälschen von Beweismitteln, ließ man diese Behauptung fallen. Beim letzten Kontakt behauptete die Vermietung dann, ich wäre mit einem platten Reifen vom Hof der Reifenfirma losgefahren!!!

Selbst die Agentur, über die ich das Auto gemietet habe, hat die Firma aufgefordert den Schaden durch die Versicherung zu begleichen und mich freizustellen. Seitdem ruht der Kontakt.

Ich befürchte, dass Fahrzeug ist zum Restwert inzwischen verkauft, Äußerungen in einer E Mail lassen mich das glauben. Das bedeutet, kein Sachverständiger hat jemals das Fahrzeug bewertet und Feststellungen zu Unfallursache gemacht. Zum Glück habe ich wenigsten genug Fotos, auch von den Profiltiefen der Reifen und auch ein Dokument des Reifenhändlers über den Zustand der Reifen.

Erfahrungen mit "Tripple Zero":

Obwohl ich 120 km entfernt einer Outback- Kleinstadt war, hatte ich Handy- Empfang. Dank einer Offline- Navigation konnte ich meine GPS- Koordinaten ermitteln. Ich rief die 000 an. Man fragte nur, ob ich verletzt wäre und genug Wasser hätte (50 Liter hatte ich bei) und verband mich dann mit der State - Police.

Dort sagte man mir, man könne erst mal nichts tun, würde das an die regionale Polizei weiterleiten, die würden dann bestimmt jemanden schicken um mich aufzusammeln. Auf meine Frage wann das etwa sein könnte bekam ich nur die wirsche Antwort, woher sie das wissen sollten, schließlich wäre ich auf einer Piste im Outback, dass könne schon 5 -6 Stunden daueren.

Es waren 40 Grad im Schatten, Mittags um 12 Uhr...

Ca. 30 Min später kam tatsächlich zufällig ein Auto (die Leute waren nicht beauftragt und wussten nicht von dem Unfall), die mich dann mit zurück zur Kleinstadt nahmen. Sie riefen die Ortspolizei an um Bescheid zu sagen, dass keiner mehr kommen müsste. Deren Antwort war nur: sie wüssten nichts und würden sowieso nicht kommen...

Es war wirklich Glück, außer diesem PKW ist mir weder auf der Hinfahrt noch auf der Rückfahrt eine anderer begegnet! Für den absoluten Notfall hätte ich aber noch ein EPIRB gehabt.

Mein Tipp:
Schaut euch bei der Anmietung unbedingt die Bereifung an! Normaler Weise unterschreibt man zuerst die AGB und macht den ganzen Papierkram bevor man das Auto sieht.

Besteht darauf, das Auto zu sehen, bevor Ihr irgendetwas unterschreibt. In meinem Fall wäre zwar die Profiltiefe nach australischem Recht ausreichend gewesen (1,5mm), inzwischen kenne ich aber die Richtlinien der australischen Automobilclubs und der Reifenhersteller. Und die sagen, bei der Rückgabe muss die Profiltiefe mindestens 5mm betragen. Das heißt, bei der Übernahme mindestens 7 -8 mm.

Besteht im Zweifelsfall auf neuen Reifen oder einem anderen Fahrzeug. Sollte das nicht gehen, messt die Profiltiefe nach, dokumentiert das, und lasst euch das mit Unterschrift bestätigen, auch das die Reifen nicht dem Standard entsprechen und ihr notfalls die Vermietung haftbar machen werdet!!!!
Das ist keinesfalls übertrieben, wie ich jetzt weiß.

Es gibt im übrigen (leider nur ganz wenige) Vermieter, die auch den Single Vehicle Rollover mitversichern. Allerdings sind die dann nicht wirklich preiswert.

Habt unbedingt eine Rechtschutzversicherung die auch im Ausland zahlt. Ich habe zum Glück eine, und muss nur eine SB von 100 € zahlen. Sollte es vor Gericht gehen, zahlen sie mir auch einen Anwalt in Australien.

Nur die Anwaltskosten außergerichtlich wären 3000 EUR. In der ersten Instanz bei verlorenem Prozess wären das komplett schon 7500 EUR in Deutschland. Da ein Gerichtsverfahren in Australien stattfinden würde, würden es aber wohl eher 8000 bis 10000 EUR sein.
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Re: Erfahrungen nach Unfall mit Mietcamper

Beitragvon WestSkills WA am Fr 17. Mär 2017, 12:02

Kannst du die Abbuchungen von deiner Credit Card nicht einfach widerrufen?

Hier, downunder, funktioniert das relativ angenehm, unbegruendet.

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Re: Erfahrungen nach Unfall mit Mietcamper

Beitragvon Rusty am Fr 17. Mär 2017, 14:15

Habe erst vor ein paar Tagen,auf die Wichtigkeit des Reifenprofils bei Mietautos hier hingewiesen.

Lass uns allen wissen wie es ausgeht.

Servus
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Re: Erfahrungen nach Unfall mit Mietcamper

Beitragvon Zeitreisender am Fr 17. Mär 2017, 15:43

Die Rückbuchung wurde bei meiner Bank beantragt. Die schrieb mir,, sie hätten in Australien bei der Bank der Vermietung die Unterlagen angefordert. Auf die Antwort warte ich seit fünf Wochen
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Re: Erfahrungen nach Unfall mit Mietcamper

Beitragvon Zeitreisender am Fr 17. Mär 2017, 15:54

Ich denke, das wird sich sehr lange hinziehen. Wenn es mehr Klarheit und Sicherheit gibt, werde ich auch den Firmennamen nennen. Es ist eine absolut Sauerei was da passiert ist
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Re: Erfahrungen nach Unfall mit Mietcamper

Beitragvon Rusty am Fr 17. Mär 2017, 16:17

Falls das rechtlich möglich ist,bitte ich Dich im Interesse gar vieler Teilnehmer hier, den Fa. Namen zu veröffentlichen.
Es kommen ja eh nur wenige in Frage.Glaube schon wer das wohl war.
Oftmals hilft auch Druck von aussen und von potenziellen Kunden,die Dinge zu beschleunigen.
Groessere Glocken helfen oft,denn sie klingen meist lauter.

Ein Hinweis auf all dieses,hier in Deutschland führenden Australien Forum veröffentlichtetes,mag helfen die Dinge auf Trab zu bringen.

Englische Version fuer hier ist sehr zu empfehlen.Doesn't have to be perfect.Da kommt es eh besser rüber und Kopien davon an das dortige Touristenministerium,die dortige Touristeninformation und die Lokalzeitung.

Alles auch von Dt.aus machbar.

Auf geht's und viel Spass nach dem bedauerlichem Ganzen,dabei.

Servus

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Re: Erfahrungen nach Unfall mit Mietcamper

Beitragvon Zeitreisender am Fr 17. Mär 2017, 18:51

Also im jetzigen Stadium möchte ich mich zurückhalten weil ich noch etwas Hoffnung habe, dass es eine einvernehmliche Lösung gibt. Auch ist es so, dass zum jetzigen Zeitpunkt
die Agentur bei der ich gebucht habe auf meiner Seite ist und mich unterstützt.

Das alles würde ich gefährden wenn ich jetzt hier mit Bashing anfangen würde. Ich bitte um Verständnis dafür und möchte auch alle bitten, hier nicht zu spekulieren.
Ich werde auf soetwas auf keinen Fall antworten.

Was mich aber sehr interessiert:
Tripple Zero hat mich ziemlich alleine gelassen (.keine Weitergabe durch die Statepolice an die regionale Police und die sagten ja dann, sie wüssten von nichts und würden auch nicht kommen...). Offensichtlich vertraut man darauf, irgendwann würde jemand die Road langkommen und mich mitnehmen. Das entsetzt mich schon!

Ich war in den Tage davor auf Unsealed Roads unterwegs, 350 -400 km ohne Begegnungen mit anderen Menschen/ Fahrzeugen. Da wäre warscheinlich den ganzen Tag keiner unterwegs gewesen. Ich hatte Temperaturen von 40 - 45 Grad im Schatten. Im Fahrzeug konnte man sich nach dem Unfall nicht mehr aufhalten. Da hätte es dann tatsächlich möglich sein können, auch mal mehr als einen Tag zu warten ob jemand kommt. Das mag ich mir gar nicht vorstellen und das macht mir auch im Nachhinein noch Angst.

An die Comunity: ist man in Australien tatsächlich so - ich nenne es mal abgebrüht - dass man einen Unverletzten, der angibt genug wasser zu haben, dem "Zufall" überlässt"

Ich war schon einige Male in DU - bisher zum Glück immer ohne Probleme - aber das hätte ich überhaupt nicht erwartet!
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Re: Erfahrungen nach Unfall mit Mietcamper

Beitragvon Zeitreisender am Fr 17. Mär 2017, 19:07

Mier ist noch ein wichtiger Tipp eingefallen:

Wer in Australien im Outback unterwegs ist sollte sich unbedingt eine Australische Prepaid- Handykarte kaufen. Hier unbedingt eine von Telstra!!!!

Telstra hat die größte Netzabdeckung auch im Outback. Da wo die noch Empfang hat sind Optus, Vodafone und Co schon of!

Ich habe für eine LTE Karte mit 30 $ Guthaben und 1,5 GB Highspeed- Internet eben genau 30$ bezahlt, Gültigkeit 1 Monat. Das ist verdammt gut investiertes Geld!

Im Outback sollte man sich nicht auf Rooming verlassen, das man evtl. zuvor in Deutschland für Australien abgeschlossen hat.
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Re: Erfahrungen nach Unfall mit Mietcamper

Beitragvon WestSkills WA am Sa 18. Mär 2017, 07:27

Zeitreisender hat geschrieben:Die Rückbuchung wurde bei meiner Bank beantragt. Die schrieb mir,, sie hätten in Australien bei der Bank der Vermietung die Unterlagen angefordert. Auf die Antwort warte ich seit fünf Wochen


Ich weiss ja nicht, wie Deutsche Credit Cards ticken. Hier gehe ich auf Internet Banking und 'dispute' eine transaction. Innerhalb von 3 Tagen ist das Geld dann wieder gutgeschrieben. Die Beweislast liegt hier bei demjenigen, der von meiner Credit Card abbuchen wollte. Also geschmeidig. Ging mir mal vor 3 Jahren mit PayPal so aehnlich, allerdings nur im 2-stelligen Bereich.

Was boese von mir war - kurz nachdem ich die Versicherung fuer meinen Hund erneuerte, verstarb er. Die Versicherung wollte weiterhin $250 pro Monat, gemaess Versicherungsbedingungen, fuer weitere 3 Jahre von meiner Credit Card abbuchen. Ich sah es nicht ein, weiterhin 'Krankenversicherung' fuer einen bereits verstorbenen Freund zu bezahlen, man verzeihe mir. Ich ging einfach zu meiner Bank und liess mir eine neue Credit Card mit neuen Nummer und CVS ausstellen und die Abbuchungsversuche (Direct Debit) liefen ins Leere. Ich will ja niemanden motivieren, aber es funktioniert auf diese Art und Weise relativ einfach und effizient.

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Re: Erfahrungen nach Unfall mit Mietcamper

Beitragvon Thommyix am So 19. Mär 2017, 16:36

Hallo,

das ist wohl die schlimmste situation was es gibt. Gedacht alles richtig zu machen und dann halt doch zahlen sollen.

Habe nur ne frage noch.... Da es eine Gravel Road war wieviel luft hattest Du in den Reifen und wie schnell warst ca. unterwegs, war ne kurve oder Cattle Grid an der stelle ?
Frage mich warum der Reifen Monteur nicht dann den neuen Reifen auf die Achse gemacht hat, wenn der andere nicht so gut war......hätte der als Reserverad verwendet werden müssen.

Wir hatten bis jetzt immer glück nie so was passiert mit den Reifen.

MFG
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