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Brände vor einem Jahr

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Brände vor einem Jahr

Beitragvon ELL2829 am Mi 23. Dez 2020, 19:33

In der NRZ vom 21.12.2020

Australiens Tiere leiden noch immer
Ein Jahr nach den Jahrhundertbränden sprießt im Busch neues Leben. Doch die Fauna braucht noch viel Zeit


Blackheath Die Geschäfte in Blackheath, einem kleinen Ort in den Blue Mountains westlich von Sydney, sind zum Bersten voll. Alle wollen vor Weihnachten noch Einkäufe erledigen, die Stimmung ist gelöst: Die Corona-Situation hat sich in der Region beruhigt, und der feuchte Sommeranfang verspricht Entspannung in der bis März andauernden Brandsaison.
Noch vor einem Jahr war die Lage dramatisch. „Der 20. Dezember war der schlimmste Tag für Black­heath“, erinnert sich Kathy Butler, die seit zwölf Jahren im Ort wohnt. Mehrere große Feuersbrünste hatten sich vereint und bedrohten die 4000-Seelen-Gemeinde. „Der Rauch war so dicht, dass man ohne Maske nicht mehr atmen konnte“, sagt die Ökologin, die als Rangerin für den Blue Mountains National Park arbeitet.
Die Jahrhundertfeuer verwandelten weite Teile des Landes in eine apokalyptische Landschaft voller schwarzer Baumskelette. Fast 70 Prozent des Nationalparks wurden von den Flammen überrollt, weit über 100 Millionen Tiere kamen ums Leben, verloren ihr Habitat oder verhungerten im Nachhinein. Schätzungen zufolge könnten in ganz Australien mehr als drei Milliarden Tiere gestorben sein. Kathy Butler schaudert noch immer bei dem Gedanken an die Feuer. Sie seien „absolut Furcht einflößend“ gewesen, berichtet sie. Und erinnert sich daran, wie es „verkohlte Blätter regnete“. Zwölf Monate später leidet die Tierwelt noch immer – doch es gibt auch Grund zur Hoffnung.
Mindestens 33 Menschen kamen damals ums Leben, australienweit verbrannten über 17 Millionen Hektar Land. Trevor Evans betreibt einen kleinen Tierpark – das Secret Creek Sanctuary – in Lithgow, rund 30 Minuten von Blackheath entfernt. Ihm gelang es zwar, sämtliche seiner Tiere zu retten und kurzfristig in einen größeren Tierpark nach Sydney umzusiedeln. Doch viele Wildtierarten seien wohl ausgestorben. Seit den Feuern habe er beispielsweise keinen Leierschwanz mehr gesehen. Unzählige Gleitbeutler und Possums fand er verkohlt an Zäunen hängend, halbverbrannte Schlangen schauten aus Löchern im Boden heraus. „In den Monaten nach den Feuern fanden wir immer wieder tote Vögel, die durch den Rauch noch lange danach verendeten“, sagt er. Es dauere wohl mindestens ein Jahrhundert, bis sich die Tierwelt erholt haben werde. Besonders gefährdet seien die spezialisierten Tiere, die bestimmtes Futter und einen bestimmten Lebensraum brauchen – die symbolträchtigen Koalas beispielsweise.
Die Menschen in Blackheath haben längst nicht vergessen, was passiert ist. Die Solidarität sei immens gewesen, so die Rangerin Butler. Während die einen alles wegschafften, was brennbar war, kochte eine Nachbarin für Butlers gesamte Straße. „Die Katastrophe hat uns näher zusammengebracht“, schwärmt sie. „In den Wochen danach feierten wir ein Fest – alle weinten und umarmten die Feuerwehrleute, die unser Dorf gerettet haben.“
An jeder Ecke wachsen Eukalypten aus dem Boden
Während die Tierwelt nach wie vor darbt, zeigt der australische Busch seine „erstaunlichen Fähigkeiten“, wie Butler sagt. Einheimische Pflanzen wie Eukalypten, Akazien und Waratahs sprießen wieder an fast jeder Ecke. Grasbäume stehen in voller Blüte, auch andere Büsche wachsen bereits nach. Samen, die die Hitze eines Feuers brauchten, um sich aus ihrer Kapsel zu befreien, haben Wurzeln geschlagen.
Tierschützer Trevor Evans hat trotzdem Angst vor der Zukunft. „All die kleinen Tiere – die Kaninchenkängurus, Wallabys und Nasenbeutler – fehlen. Diese kleinen Ingenieure des Busches, die das Unterholz klein halten“, warnt er. Sobald es wieder heiß und trocken wird und die Feuer zurückkommen, könne dies das Risiko eines erneuten Megafeuers erhöhen.
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