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Bushfire - Gedankenaustausch über moralische Aspekte

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Bushfire - Gedankenaustausch über moralische Aspekte

Beitragvon Followme am Di 7. Jan 2020, 12:12

Hallo zusammen,

ich möchte mal ein Thema ansprechen, dass mich sehr beschäftigt.

Nicht die Feuer an sich, sondern wie man als Tourist mit der moralischen Seite dieser Katastrophe umgeht.

Bei mir steht in 6 Wochen die nächste Australienreise an, und sie wird auch stattfinden, weil der eigentliche Grund ein Familientreffen und Familienzuwachs in Sydney ist.

Geplant war (bzw. ist) natürlich auch, ein wenig übers Land zu cruisen.

Aber wir geht man mit der Situation um. Da Sydney das Hauptziel ist, ist die Gegend fürs Cruisen NSW.
Ich fühle mich ein wenig als "Katastrophen- Tourist, obwohl mir nichts ferner liegt, als mir die verbrannten Gegenden anzuschauen.
Wenn man aber in Sydney startet, kommt man auf dem Weg zu irgendwelchen "intakten" Zielen unweigerlich durch die Katastrophengebiete.
Ich denke, so gut wie in ganz NSW wird man dann fast täglich auf dem Weg damit konfrontiert werden.
Einige hier wissen, ich bin selbst Berufsfeuerwehrmann, und wenn einer weiß, wie Leute an solchen Orten stören, die da nicht hingehören, dann bin ich das.

Was also tun? Ich fühle mich tatsächlich mies bei dem Gedanken, da als Tourist unterwegs zu sein, und die Heimat dieser armen Menschen zu queren.

Was denkt ihr darüber. Was mich auch interessiert: was meint ihr, wie die betroffenen Australier darüber denken. Keinem dieser Menschen dürfte wohl zur Zeit der Sinn nach "no worries, mate" stehen?
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Re: Bushfire - Gedankenaustausch über moralische Aspekte

Beitragvon Micknick am Di 7. Jan 2020, 13:24

Schwierig, äußerst schwierig solch eine Frage zu beantworten. Gerade für Leute die jetzt nicht nach Australien reisen, oder wie Wir Ende August unseren Urlaub dort beendet haben. Unser Sohn ist zwar derzeit noch in Sydney, hat aber seine Reiseplanung übern Haufen geworfen und fliegt jetzt erst mal nach Neuseeland anstatt sich in Richtung Perth auf den Weg zu machen.

"Katastrophen- Tourist" erachte ich als etwas zu krass, eine Australien Reise wird in der Regel nicht kurzfristig geplant und ich glaube nicht das die Australier die Touristen die jetzt oder in den nächsten Wochen/Monaten dort aufschlagen als solche sehen werden.
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Re: Bushfire - Gedankenaustausch über moralische Aspekte

Beitragvon WestSkills WA am Di 7. Jan 2020, 13:41

Good old Mate,

'She'll be alright'. Fireys aus California, Canada und Neuseeland helfen uns bereits. Wir haben den Yanks 2017/18 gut ausgeholfen, nun zahlen sie zurueck.

Du hast Deine Reise gebucht. Du wirst sie nicht geniessen koennen. Es tut mir leid fuer Dich und fuer Australia. Welcome to hell.

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Re: Bushfire - Gedankenaustausch über moralische Aspekte

Beitragvon Followme am Di 7. Jan 2020, 14:02

WestSkills WA hat geschrieben:Good old Mate,

'She'll be alright'. Fireys aus California, Canada und Neuseeland helfen uns bereits. Wir haben den Yanks 2017/18 gut ausgeholfen, nun zahlen sie zurueck.

Du hast Deine Reise gebucht. Du wirst sie nicht geniessen koennen. Es tut mir leid fuer Dich und fuer Australia. Welcome to hell.

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Cheers


Ach na ja, muss Dir nicht für mich leid tun. Und der eigentliche Anlass, die Geburt meines Enkels bleibt ja nach wie vor ein sehr Freudiger ;)

Ich frage mich halt nur wie man den Menschen begegnen soll (im übertragenen Sinne)? Ich habe wirklich genug Leid kennen gelernt, aber niemals in deratigen Dimensionen.
Und daher überlege ich halt, ob man dann das "über Land cruiesen" besser sein lässt, und aus Respekt nicht durch diese Gebiete fährt.

Ich kann halt überhaupt nicht abschätzen, was die Menschen darüber denken.
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Re: Bushfire - Gedankenaustausch über moralische Aspekte

Beitragvon WestSkills WA am Di 7. Jan 2020, 14:19

Good old mate,

Was die Betroffenen ueber ScoMo, seit Neustem Smoco genannt, denken habe ich bereits eingestellt. 'You got no clue mate', sagte ihm ein senior Firey for laufender Kamera.

Katastrophentourismus moegen wir hier nicht so besonders. Durchfahren - JA. Anhalten oder langsam fahren um alles zu sehen - NEIN.

Die Leute koennten das in den falschen Hals bekommen.

Wie frustriert waerst Du, wenn jemand an Deiner abgebrannten Huette vorbeifaehrt und neugierig beobachtet, wie Du die letzten Reste Deines Hab und Guts untersuchst?

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Re: Bushfire - Gedankenaustausch über moralische Aspekte

Beitragvon Followme am Di 7. Jan 2020, 14:35

WestSkills WA hat geschrieben:Good old mate,

Anhalten oder langsam fahren um alles zu sehen - NEIN.

Die Leute koennten das in den falschen Hals bekommen.

Wie frustriert waerst Du, wenn jemand an Deiner abgebrannten Huette vorbeifaehrt und neugierig beobachtet, wie Du die letzten Reste Deines Hab und Guts untersuchst?

Cheers


Darüber müssen wir nicht diskutieren. Das ist selbstverständlich.

Solche Leute mag man nirgendwo, das ist in Deutschland nicht anders als in Australien.

So war die Frage ja auch gar nicht gemeint. Ich versuche es mal zu konstruieren: Man ist unterwegs, kommt irgendwo in Outback NSW in einen Ort der teilweise betroffen ist, aber meinetwegen noch einen funktionierenden General Store, eine Tankstelle oder einen Pub/Diners hat.
Fährt man weiter, oder kann man da einkaufen im Pub ein Bier trinken usw., wie soll man sich da verhalten.

In dicht besiedelten Gebieten stellt sich die Frage nicht, da kann man so eine Gegend meiden, sollte man dann sogar. Im Outback ist das aber anders. Da ist man dann u.U. darauf angewiesen. Daher wäre dann die Überlegung, ob man es gleich ganz sein lässt.
Im Outback NSW wird es zwangsläufig zu solchen "problematischen" Begegnungen kommen. Verstehst Du jetzt mein Problem?

Ist es ratsam sich auf so eine Fahrt einzulassen?
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Re: Bushfire - Gedankenaustausch über moralische Aspekte

Beitragvon minnie orb am Di 7. Jan 2020, 17:10

Wenn der Pub, der Shop, die Tankstelle etc. offen haben, werden sie sich über jeden Dollar freuen, den sie verdienen können.
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Re: Bushfire - Gedankenaustausch über moralische Aspekte

Beitragvon Followme am Di 7. Jan 2020, 20:48

minnie orb hat geschrieben:Wenn der Pub, der Shop, die Tankstelle etc. offen haben, werden sie sich über jeden Dollar freuen, den sie verdienen können.


Ja, Du hast wohl recht. Danke
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Re: Bushfire - Gedankenaustausch über moralische Aspekte

Beitragvon lenz am Di 7. Jan 2020, 21:07

Ich vermute Du bist herzlich Willkommen wenn Du dort in den Pub gehst, wenn Du übernachtest und wenn Du Dienstleistungen in Anspruch nimmst. Nicht jeder ist direkt betroffen aber dort wo die Touristen wegbleiben haben es auch die schwer die „davon“ gekommen sind. Als Feuerwehr-Kollege bringst Du erst recht aller Wahrscheinlichkeit die nötige Sensibilität mit. Ich denke die Australier werden es eher als moralische Unterstützung sehen dass Du „trotzdem“ kommst. Eben ganz trivial als jemand der auch versteht dass das Land groß ist und mal kommt man durch einen verbrannten Abschnitt und dann ist es wieder grün ... bzw. braun - oft ist es halt leider knochentrocken ...

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Re: Bushfire - Gedankenaustausch über moralische Aspekte

Beitragvon ELL2829 am Di 7. Jan 2020, 22:41

Hi Andreas,

Du und ich wissen, wie man mit Gaffern umgeht. Wir beide haben im Dienst gelernt, diese Situationen angemessen und würdig handzuhaben.
Ich habe keine Befürchtungen, dass Du irgendwo irgendjemand auf die Füße treten wirst.

Und als Opa weißt DU erst recht, was Du tun musst. Dazu übrigens: Herzlich willkommen im Club.

Peter
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