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AUSTRALIEN-INFO Recherchereise 2012: Southern Australia

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Re: AUSTRALIEN-INFO Recherchereise 2012: Southern Australia

Beitragvon lenz am Di 14. Feb 2012, 22:21

Roland Peyer berichtet aus Murray Bridge (South Australia)

Rob, der Road-Train-Fahrer (Kapitel 20)

Wir trafen Rob nicht irgendwo, sondern mehr oder weniger im Hinterhof des Oval Motel in Murray Bridge, einer Unterkunft, die zu empfehlen uns nicht möglich ist.

Rob stand vor dem Nachbar-Container, und nach kurzer Zeit kam die Frage, woher wir aus Victoria wären (unser Mietwagen ist in Victoria zugelassen). Als wir ihm mitteilten, dass nur das Auto, nicht aber wir aus Victoria kämen, fing er an, über sein Leben zu erzählen.

Rob ist 63, er stammt aus der Gegend von Murray Bridge und besitzt zwei Häuser, die er vermietet hat. Er selbst lebt lieber in einem Motel, weil er das so gewöhnt ist. Bis vor wenigen Wochen war er Road-Train-Fahrer, seit seinem 19. Lebensjahr, besonders auf der Strecke von Adelaide nach Darwin. Für ihn gibt es nichts schöneres, als das Northern Territory, nicht nur landschaftlich, sondern weil man als Trucker einfach leben kann. Leben heißt in diesem Fall, dass es weniger Vorschriften gibt.

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„In South Australia darfst du zwölf Stunden fahren, dann musst du zwölf Stunden Pause machen. Im Territory kümmert sich keiner um darum, du kannst fahren, solange du fahren kannst. Allerdings darfst du auch dort nicht schneller als 90 km/h fahren.“

Seit einigen Wochen ist Rob im Ruhestand, die Zigaretten haben der Gesundheit zu sehr geschadet. „Und wenn du mit einem Roadtrain überleben willst, musst du topfit sein, kein Alkohol, keine Drogen, sonst wirst du nicht alt.“ Zigaretten und Kaffee hingegen sind die täglichen Begleiter der Trucker.

Vier Tage hat er für eine Fahrt von Adelaide nach Darwin und dann wieder vier Tage von Darwin nach Adelaide gebraucht. Am Stück acht Tage. Dann war Pause. Wie oft er die Strecke gefahren ist, er kann es nicht sagen. Er ist immer gefahren, 45 Jahre lang, nur zuletzt, wenn er krank war und während der Zeit des Vietnam-Kriegs, während dem er an der Front gekämpft hat, ist er nicht gefahren.

Vietnam war das einzige Mal, dass Rob aus Australien fort war. Er hatte Glück, wurde verwundet und kehrte lebend zurück. Sein älterer Bruder fiel in Vietnam.

Der Roadtrain hinter sich brachte es beladen auf ein Gesamtgewicht von ca. 120 Tonnen. „Ein Zug eben, nur die Schienen fehlen.“ meinte Rob. Dieses Gewicht, einmal auf 90 km/h beschleunigt, ist nicht mehr einfach abzubremsen. „Du brauchst rund zwei Kilometer, denn wenn du die Bremsen beí der Geschwindigkeit voll durchtrittst, fangen sie an zu brennen.“ Bremsen geht nur noch über Mithilfe der Motorbremse. „Aber,“ so Rob, „man bremse nicht viel.“ Für ein Tier oder sonst ein Hindernis auf der Straße zu bremsen geht nicht. „Der Roadtrain ist stärker.“

Für Rob ist der Roadtrainfahrer des Symbol Australiens. Hier kann, wer sich reinhängt, durch harte Arbeit immer noch ein Vermögen verdienen. Zuletzt verdiente er als Roadtrain-Fahrer um die A$ 170.000 jährlich. Der Preis des unruhigen Lebens: seine Ehe hat nicht gehalten. Dennoch werden sechs Söhne seinen Traum fortsetzen, der Traum, auf dem Australien aufgebaut ist.
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Re: AUSTRALIEN-INFO Recherchereise 2012: Southern Australia

Beitragvon lenz am Di 14. Feb 2012, 22:23

Roland Peyer berichtet aus Murray Bridge (South Australia)

Kommunikation in Australien, wenn es denn nur so einfach wäre (Kapitel 21)

TUI bietet eine Handykarte an, die in mehr als 20 Ländern dieser Erde günstige Tarife anbietet. Zu diesen Ländern zählt auch Australien. Auf Nachfrage musste TUI einräumen, dass nur an zwei Punkten ein Netz besteht, nämlich in den Innenstädten von Sydney und Melbourne.

Wir haben keine TUI-Karte mitgenommen. Stattdessen besteht unsere Ausrüstung aus einem Asus Eee Laptop, einem Huawei Tablet PC und einem Samsung Handy mit zwei Kartensteckplätzen.

An Karten haben wir dem Handy seine deutsche Blau-Karte gelassen, damit wir unter einer bekannten Nummer erreichbar sind. Ansonsten bekam das Handy eine australische Karte von Vodafon Australia und der Huawei eine Telstra-Internet-Karte. Der Asus blieb ohne Karte, seine Aufgabe ist es, in internen Netzen zu arbeiten.

  • Telstra verlangt für eine 30 Tage 50 A$, die Karte ist volumenbeschränkt.
  • Vodafone bietet Telefonate nach Europa für 7c je min plus 15c Verbindungsgebühr.

In Melbourne war die Verbindung zur Welt kein Problem. In der Straßenbahn ließen sich mit dem Huawei Emails abrufen und schreiben und Vodafone knüpfte jede Art von Verbindung. Technisch gab es also keine Probleme.

Die kamen, als wir Adelaide verließen. Nach vor der Stadtgrenze von Adelaide war mit der Navigation des Huawei über Telstra Schluß – kein Netz. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Obwohl Telstra behauptet, von allen mobilen Internetanbietern das dichteste Netz zu haben, heißt das offensichtlich gar nichts, denn Telstra ist nicht besser, die andern sind wahrscheinlich nur schlechter.

Kurz hinter Burra verließ uns das Handy. Vodafone war nur mehr bereit, Notrufe zu vermitteln.

In den Flinders Ranges war alles so wie weiland 1981 in Texas - man war alleine auf der Welt. Einziger Unterschied: damals in Texas gab es öffentliche Telefonzellen mit einem Operator, in den Flinders gab es ein sehr teures Satelliten-Internet in einem Laden, dass je Seite mehrere Minuten brauchte und eine öffentliche Telefonzelle.

Besser wurde es als wir mit Port Augusta wieder dichter besiedeltes Gebiet erreichten. Hier wie auch in Port Lincoln funktionierte das Handy ohne Probleme, seit einigen Tagen haben wir durchgehend wieder ein Netz.
Mit dem mobilen Internet geht gar nichts.

Aber es gibt hierfür Alternativen:

  • Alle McDonald-Filialen verfügen über einen kostenlosen, unbegrenzten Hotspot. Hat man die Anmeldung erst einmal hinter sich, läuft es recht flott. Wie sicher dieses WiFi-Netz ist können wir nicht sagen.
  • Viele Hotels bieten über Nomad einen kostenpflichtigen, zeitlich und mengenmäßig beschränkten Zugang ins Netz an. Die Verbindung ist recht teuer aber ziemlich schnell und stabil.
  • Die beste Möglichkeit, in Australien kostenfrei ins Internet zu gelangen, sind die öffentlichen Bibliotheken. Hier kann man auf Computern der Bibliothek kostenfrei surfen, allerdings nur in den Öffnungszeiten der Bibliothek.
  • Gelegentlich bieten Verkehrsämter kostenlose Hotspots an. Per WiFi kann man mit seinem eigenen Gerät unbegrenzt ins Internet solange diese geöffnet sind.
Australien hat seine kommunikativen Tücken und ist, z. B. verglichen mit den USA ein Ort, der einen vor kommunikative Probleme stellen kann.

http://www.australien-info.de/internet-auf-reisen.html
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Re: AUSTRALIEN-INFO Recherchereise 2012: Southern Australia

Beitragvon lenz am Di 14. Feb 2012, 22:24

Roland Peyer berichet aus Murray River (South Australia)

Murray River, der australische Grand Ol‘ River – oder: wem gehört der Regen? (Kapitel 22)

Der Murray ist der größte Fluß Australiens, er hat seinen Ursprung in Victoria und New South Wales. Zusammen mit dem aus Queensland kommenden Darling River ist er eines der größten Flusssysteme der Erde.

Das Ende des Murray River befindet sich in South Australia. Unweit der kleinen Stadt Goolwa mündet er ins Meer. Wobei die Art seiner Mündung ungewöhnlich ist. Erst quert der Fluss zwei Seen, dann ergießt er sich in eine Lagune, die, parallel zum Meer gelegen, als Coorong den Status eines Nationalparks genießt und auf der Liste des Weltnaturerbes steht.

Murray und Darling fließen über lange Zeit in Queensland, New South Wales und Victoria durch trockenes Binnenland, wobei alle drei Staaten, aber am meisten Queensland, aus dem Fluß Wasser zur Bewässerung entnehmen. U. a. werden auch Reis und Rosinen erzeugt.

An der Stelle, an der der Murray das Gebiet von South Australia erreicht, ist der Strom immer noch ein großer Fluss, aber, durch die Wasserentnahme kein großer Strom mehr. Auch South Australia entnimmt aus dem Murray Wasser, zum einen zur Bewässerung, zum überwiegenden Teil aber zur Trinkwassergewinnung.

In den Jahren 2005 bis 2010 herrschte eine große Dürre in Australien. Die Niederschläge fielen geringer aus, der Wasserstand des Murray sank nachdrücklich.

Das Mündungsgebiet des Murray verlandete nahezu vollständig, der Coorong verwandelte sich in eine stinkende Brühe. Um das Schlimmste zu verhindern, flutete die Regierung das Mündungsgebiet mit Salzwasser und fügte so der Ökologie schwere Schäden zu. Gleichzeitig bat South Australia Queensland darum, weniger Wasser zu entnehmen. Aus Queensland kam die zynische Antwort, dass dies nicht erfolgen wird, da der Regen denen gehöre, auf die es regnet und das Wasser auch dort bleiben sollte.

Die Situation änderte sich gravierend mit den großen Regenfällen 2011, seither befindet sich im Mündungsgebiet des Murray wieder ausreichend Süßwasser. Vor dem Hintergrund der derzeitigen großen Überschwemmungen in Queensland sagen einem nahezu alle Südaustralier, dass ihnen die Menschen dort leid täten, aber das von ihnen keine Hilfe zu erwarten sei, schließlich gehöre der Regen denen, auf die er falle und er solle dort auch bleiben.

Wir erreichten den gut im Wasser stehenden Murray in Morgan. Hier setzten wir mit einer kostenlosen Fähre aufs Ostufer über, dem wir dann südlich folgten. Das Ostufer ist das bessere Ufer zur Besichtigung des Murray, da es höher ist und bessere Einblicke ermöglicht. Allerdings sollte man in Mannum mit einer der beiden Parallelfähren kostenfrei über den Fluß und dann wieder zurückfahren – Mannum lohnt dies mit seinen historischen Häusern.

Mid Murray Council
http://www.mid-murray.sa.gov.au
Murraylands Information (Regional Tourism Information)
http://www.murraylands.info/
Mannum Tourism Information (Local Tourism Information)
http://www.mannum.org.au
Morgan Tourism Information (Local Tourism Information)
http://www.morgan.org.au
Murray Region Video (YouTube)
http://www.youtube.com/watch?v=U5myDG4hFv4
Murray River in Southaustralia.de
http://de.southaustralia.com/regions/murray-river.aspx
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Re: AUSTRALIEN-INFO Recherchereise 2012: Southern Australia

Beitragvon lenz am Di 14. Feb 2012, 22:26

Roland Peyer berichtet aus Hahndorf (South Australia)

Barossa und Hahndorf: Kransky oder was ist wie deutsch (Kapitel 23)

Barossa, früher falsch auch Barossa Valley genannt (es ist kein Tal) und einige Orte in den Hügeln um Adelaide, besonders Hahndorf und Lobethal, gelten als sehr deutsch und werden auch entsprechend vermarktet.

Während im Barossa die Orte Angaston, Nurioopta und besonders Tanunda in einer eher dezenten Weise auf die deutsche Herkunft der Gründer verweisen, geschieht dies bei Hahndorf weitaus dominanter.

Deutsche oder deutsch wirkende Orte findet man immer wieder auf der Welt. Wer von Franklin in North Carolina südlich hinein nach Georgia fährt, befindet sich mitten in den Appalachen plötzlich in einem bayerisch anmutenden Ort, Helen. Hier siedeln seit über 150 Jahren deutschstämmige Bürger und man hat durchaus die Chance, auf jemanden zu stoßen, der Deutsch spricht. Noch extremer ist die Situation in Pennsylvania, hier findet man rund um Lancaster und Strasbourg die Amische, die untereinander in nichts anderem sprechen, als das, was sie unter Deutsch verstehen. In den deutschen Gebieten Australiens ist dies anders.

Die Orte im Barossa definieren sich über den Weinbau, hier haben große Weinfabriken wie Jacob Creek und Penfold’s ihren Sitz. In den Orten findet man durchaus „deutsche“ Restaurants, auf Friedhöfen und Kirchen befinden sich alte deutsche Inschriften. Auffallend sind die vielen Blumen entlang den Straßen, die Nähe der Orte zueinander und eine gewisse „Aufgeräumtheit“ in den Orten.

Hahndorf ist ganz auf Deutsch getrimmt. Es wirkt wie eine alte deutschtümliche Mall. Man findet hier ein Kuckucksuhr-Geschäft, Hengstenberg-Gurken aus Esslingen sind genauso erhältlich wie Ritter Sport aus Waldenbuch oder Haribo aus Bonn in allen Sorten. Wer will, kann zum Frühstück auch eine Weißwurst essen, oder aber eine typisch deutsche Kransky-Wurst, beide meistens mit Sauerkraut im Angebot. Dass man Erdinger trinken kann, ja sogar Fischer’s Stiftungsbräu aus Erding – keine Überraschung. Der Stuttgarter Teller verspricht verschiedene Fleischsorten (mit Sauerkraut), selbst deutsches Lakritz ist im Angabot (auf Nachfrage wurde klar: es stammt aus Holland). Wer Heimweh nach deutschen Produkten hat, ist in Hahndorf allemal gut aufgehoben. Solange man nicht versucht, mit den Ansässigen deutsch zu reden – Deutschkenntnisse fanden wir keine.

Für historisch Interessierte gibt es vor Ort ein hervorragend kleines, kostenloses Heimatmuseum. Hier stießen wir denn auch auf des Rätsels Lösung.

Während die Deutschen in Amerika oder Chile über eine weitgehend ungebrochene Siedlungsgeschichte verfügen, gab es in Australien einen gewaltigen Bruch – den ersten Weltkrieg.

Australien war von der Loyalität seiner deutschsprechenden Minderheit im Krieg gegen Deutschland nicht überzeugt. Deutsche Ortsnamen wurden anglisiert, zum Teil wurde dies nach dem Krieg rückgängig gemacht. Deutsche Familiennamen wurden häufig anglisiert, so wurde aus Schneider Taylor oder aus Schmidt Smith.

Diese Angst vor der Illoyalität war für die Betroffenen ziemlich irrational und unerwartet. Ihre Vorfahren waren seit über 60 Jahren im Land, in der Regel lebte die dritte Generation in Australien. Viele deutschsprachige Familien hatten eine längere Tradition in Australien als die Familien derer, die sie jetzt der Illoyalität ziehen.

Um 1910 besuchte eine von Kaiser Wilhelm II abgesandte Delegation die deutschsprachigen Orte in South Australia. Die Kommission kam zu dem Ergebnis, dass die hier lebenden Deutschen auch durch Überzeugungsarbeit nicht zu nationalen Deutschen gemacht werden konnten und zog unverrichteter Dinge wieder ab, in ihrem Bericht vermerkend, dass diese Menschen für das Deutschtum verloren seien. Die Einstellung der Bevölkerung in South Australia ist eigentlich nicht überraschend, wurde doch das Deutsche Kaiserrreich erst 1871 gegründet, also zu einem Zeitpunkt, da diese Menschen bereits in Australien weilten.

Für die Deutschsprechenden in South Australia sollte es aber noch schlimmer kommen. 1917 wurden diejenigen von ihnen, die sich gegen die Anglisierung wehrten, in ein Lager auf eine Insel in der See von Timor verband. Etliche, deren Staatsangehörigkeit unklar war, wurden nach 60 Jahren ausgewiesen. Das Leben im Lager wird als unbeschreiblich hart bezeichnet, Deutsch war verboten.

Aufgrund dieser Erfahrungen gibt es bis heute in South Australia viele Deutschstämmige, es besteht weiter eine deutsche oder deutschtümelnde Fassade, hinter der die Bürger gelernt hatten, wie gefährlich Anderssein plötzlich werden konnte.

Als Fußnote sei vermerkt: Im Ersten Weltkrieg fielen 19 Bürger, die Verlustrate in Hahndorf zählt zu den höheren in Australien.

http://www.australien-info.de/barossa.html
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AUSTRALIEN-INFO Recherchereise 2012: Southern Australia

Beitragvon lenz am Sa 31. Mär 2012, 21:23

Roland Peyer berichtet aus Kangaroo Island (South Australia)

Kangaroo Island – Zoo ohne Zäune (Kapitel 24)

Rock, Reef und Opera – also der Ayers Rock, das Great Barrier Reef und das Opera House in Sydney sind die drei Punkte, die klassischer Weise in einer Standard-Australien-Rundreise für Besucher, die erstmals in Australien sind, enthalten sind.

Wer die drei Standardpunkte anschaut, stellt fest, dass die Tierwelt Australiens keinen prominenten Platz findet. Zwar kann man am Ayers gelegentlich Tiere finden, am Great Barrier Reef und in Sydney sind Känguru, Koala und Co. nur in Zoos anzutreffen.

Hier versuchen die Tourismusverantwortlichen in South Australia anzusetzen, indem sie die unweit vor der Südküste gelegene Kangaroo Island als „Zoo ohne Zäune“ vermarkten und so zu dem klassischen Trio ein viertes Highlight setzen, nämlich die gesicherte Begegnung mit für Australien typischen Tieren.

In der Tat, wer nach Kangaroo Island reist, kann mit hundertprozentiger Sicherheit davon ausgehen, in freier Wildbahn auf Kängarus, Wallabies, Koalas, Seelöwen, Pelikane und schwarzen Schwänen zu treffen. Die Begegnung mit einem Schnabeligel, einem Echidna, ist möglich, in der richtigen Jahreszeit wird man auch eine grosse Zahl von Neuseeländischen Pelzrobben antreffen.

Die früher in grösserer Zahl anzutreffenden Zwergpinguine machen sich zur Zeit rar, ihre Rückkehr wird für März erhofft. Begegnungen mit Tieren, die andernorts nur als unplanbarer Glücksfall zu Stande kommen, sind hier nahezu sicher vorhersagbar. Wie ist dies möglich?

Um 1920 beschloss die australische Regierung, für den Fall, dass mit der einzigartigen Tierwelt Australiens etwas negatives geschehe – die Kaninchen, Füchse und verwilderte Hauskatzen richteten bereits schwere Schäden an – eine Art Arche zu schaffen, auf der diese Tiere überleben würden können. Man entschied sich für Kangaroo Island. Hier lebten bereits Kängurus, Wallabies (kleine Kängurus) und Echidnas. Man fand hier Pinguine, Seelöwen, Pelikane und Seerobben. Was aber das wichtigste war, die nahezu unbesiedelte Insel von der Grösse des Bodensees war frei von Füchsen und verwilderten Hauskatzen. An eingewanderten Tieren fand man lediglich eine aus Ligurien stammende Bienenart, die heute nur noch auf Kangaroo Island existiert.

Man beschloss, weitere australische Tierarten anzusiedeln. Beim Koala gelang dies sehr gut, die Ansiedlung der Wombats scheiterte, weil man aus Versehen nur zwei männliche Tiere auf der Insel aussetzte. Bis heute gibt es auf Kangaroo Island keine freilebenden Wombats.

Heute ist Kangaroo Island für viele Tiere ein Habitat, in dem sie sicher und in Freiheit existieren können. Die Insel zählt heute knapp 4.000 Einwohner, die sich in der Inselhauptstadt Kingscote und im Fährhafen Penneshaw konzentrieren. Im Osten und Norden der Insel liegen auch die landwirtschaftlichen Betriebe, der Westen und Süden sind die Bereiche, die touristisch interessant sind.

Zu den rund 4.000 Bewohnern sollen (wir haben sie nicht gezählt) rund 40.000 Koalas und mehr als 400.000 Kängurus und Wallabies kommen. In der Tat hat sich die Zahl der Koalas derart vermehrt, dass die für die Ernährung der Koalas notwendigen Eukalyptus-Bäume (Koalas sind Fress-Spezialisten) auszugehen drohen und man daher gezwungen war, die Fortpflanzung der Koalas planerisch zu regulieren.

Wo finden sich die einzelnen Tiere?

  • Kängurus und Wallabies findet man auf der ganzen Insel, besonders aber im Westen und, da sie dämmerungsaktiv sind, besonders morgens und abends. Auch Echidnas wird man am ehesten im Westen finden, in der Regel im Flinders Chase Nationalpark oder rund um die Kangaroo Island Wilderness Lodge.
  • Ebenfalls im Nationalpark, hier zum Beispiel im Bereich des Snake River Lagoon Trails, kann man auf Warane stossen. Auch im Nationalpark, dieses Mal am Admirals Arch, wird man in der richtigen Jahreszeit auf grosse Kolonien der neuseeländischen Pelzrobbe stossen, die im Verlauf des Jahres zwischen Neuseeland und der Kangaroo Island pendeln.
  • An der Südküste, der Seals Bay, leben Seelöwen, zu denen geführte Touren durchgeführt werden, bei denen man sich den Tieren annähern kann. Die Seelöwen verbringen im Rhythmus drei Tage im Meer um zu fressen, drei Tage ruhen sie sich am Strand (ohne Fressen) aus. Hier wird auch der Nachwuchs gezeugt und die Kleinen aufgezogen, wobei diese von Anfang an immer drei Tage ohne Mutter und Muttermilch auskommen müssen.
  • Koalas kann man überall im Westen und auch im Süden der Insel antreffen, vorausgesetzt, die richtigen Bäume wachsen dort. D. h. man muss wissen, wo sich die Koala Standorte befinden und dann bedarf es noch viel Glück, die nachtaktiven Koalas tags inmitten der Blätter des Baumes oft hoch oben zu entdecken. Wer sich nicht auf sein Glück verlassen will, sollte an einer Nachtführung im Koala Park an der Hanson Bay teilnehmen.
  • Pelikane und schwarze Schwäne findet man in der Inselhauptstadt Kingscote, hier findet auch an jedem Abend die spektakuläre Fütterung der Pelikane statt. In Kingscote und Penneshaw kann man auch abends an einer Pinguintour teilnehmen, jedoch im Februar hatten die Pinguine „Urlaub“.
Eine sehr gute Möglichkeit, eine Vielzahl an Tieren zu sehen, bietet an der Nordküste der Paul’s Place . Hier werden verletzte Tiere - wenn möglich - wieder für die Freiheit fit gemacht.

Im Mittelpunkt eines Besuchs auf der Insel werden immer die Tiere stehen. Allerdings sollte man darüber nicht die anderen Attraktionen der Insel vergessen. Im Nationalpark Flinders Chase finden sich zwei weltweit einzigartige geologische Formationen, die bizzaren Remarkables Rocks und unweit entfernt der mächtige Admirals Arch. Wir empfehlen Besuchern des Nationalparks möglichst um neun Uhr, dem Zeitpunkt der Öffnung des Parks, in den Park einzufahren und als erstes in Richtung des Arches zu fahren. Man sollte bereits am Leuchtturm parken und von hier aus den Fusssteig Richtung Arch benutzen, der einen zu mehreren, sich in der Dramatik steigernden Aussichtspunkten führt, um dann am Admirals Arch zu enden. Wer rechtzeitig hier ist, kann die geologisch einzigartige Formation zusammen mit den Robbenkolonien in Ruhe wahrhaft geniessen, im Lauf des Tages wird dieser Genuss durch zahlreiche Reisegruppen eher eingeschränkt.

Kangaroo Island verfügt über zahlreiche traumhafte Strände, zu nennen sind hier u.a. die Hanson Bay, Vivonne Bay und der Snake Lagoon, letzterer im Nationalpark.

Individualreisende sollten möglichst drei Übernachtungen auf der Insel vorsehen. Wir raten dazu, zwei Nächte im Westen der Insel und eine Nacht im Osten zu planen. Als Unterkunft im Westen bietet sich das unweit des Nationalparks und der Hanson Bay gelegen Kangaroo Island Wilderness Resort an, eine sehr schöne Anlage mit ausserordentlich freundlichen Personal (und zwar langsamen aber kostenfreien Internetzugang). Wer hierbei ein Courtyard-Zimmer mietet, findet abends direkt vor der Terrasse seiner Unterkunft freilebende Wallabies, die bei Dämmerung in die Anlage kommen. Zur Nachtzeit ist die Begegnung mit einem Oppossum auf der Terrasse alles andere als ungewöhnlich. Die Nacht im Osten verbringt man am besten in Kingscote.

Kein Zweifel, ein Besuch der Kangaroo Island wird zu den Höhepunkten eines jeden Australienurlaubs zählen und die Insel steht Rock, Reef und Opera in nichts nach.

Mehr Informationen über Kangaroo Island
http://www.australien-info.de/kangaroo.html
Kangaroo Island in Southaustralia.de
http://de.southaustralia.com/regions/kangaroo-island.aspx
Flinders Chase Nationalpark
http://www.environment.sa.gov.au/parks/Find_a_Park/Browse_by_region/Kangaroo_Island/Flinders_Chase
Paul's Place
http://www.paulsplace.com.au
Seal Bay Conservation Park
http://www.environment.sa.gov.au/sealbay/Home
Hanson Bay Wildlife Sanctuary
http://www.hansonbay.com.au/wildlife_tours.php

Anreisemöglichkeiten, Informationen zu den Kosten und weitere technische Hinweise zum Besuch der Insel veröffentlichen wir im nächsten Kapitel.
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Re: AUSTRALIEN-INFO Recherchereise 2012: Southern Australia

Beitragvon lenz am Sa 31. Mär 2012, 21:36

Roland Peyer berichtet aus Kangaroo Island (South Australia)

Kangaroo Island – Über das Grau im Reich der Farben (Kapitel 25)

In letzten Kapitel haben wir versucht, aufzuzeigen, dass der Besuch von Kangaroo Island zu den lohnendsten Zielen in Australien zählt, unseres Erachtens auf einer Stufe mit Rock, Reef and Opera steht.

In diesem Kapitel setzen wir uns mit der realen Umsetzung eines Besuchs auf der Insel auseinander, und wir müssen feststellen, dass man auf der Insel auf mehr Grau stossen kann, als einem lieb ist. Wer unvorbereitet nach Kangaroo Island stolpert, kann sich unter Umständen in einem Zustand der Unzufriedenheit wiederfinden.

Kangaroo Island ist eine Insel vor der Küste von South Australia, 13 km vom Festland entfernt. Die Insel ist 145 km lang und bis zu 57 km breit, ihre Größe entspricht in etwa dem Bodensee.

Da Kangaroo Island eine Insel ist, hat man als Reisender grundsätzlich nur drei Möglichkeiten, hierher zu gelangen. Entweder nutzt man als Individualreisender unter Mitnahme des Mietfahrzeugs die Fähre der einzigen Gesellschaft Sealink zwischen Cape Jarvis und Penneshaw, oder man fliegt ab Adelaide mit der Gesellschaft Regional Express Airlines (REX) nach Kingscote und mietet dort ein Fahrzeug. Die dritte Möglichkeit besteht darin, sich ab Adelaide einer der ein- oder mehrtägigen Touren anzuschliessen.

Sealink
http://www.sealink.com.au
Regional Express Airlines
http://www.rex.com.au

Wir müssen uns im Folgenden noch etwas genauer mit der individuellen Anreise beschäftigen. Die Fähre verkehrt mehrmals täglich, die Überfahrtsdauer beträgt etwas mehr als eine Stunde. Man sollte die Fähre vorab reservieren, bei der Reservierung ist statt des unbekannten KFZ-Kennzeichens „rental car“ einzutragen, ansonsten ist die Reservierung nicht möglich. Leider fehlt ein entsprechender Hinweis auf der Homepage von Sealink. Was uns positiv auffiel war, dass wir, weil wir frühzeitig am jeweiligen Fährhafen waren, ohne jedwede Probleme auf eine frühere Fähre umgebucht wurden. Ob diese Flexibilität auch dann besteht, wenn man zu spät kommt, wissen wir nicht.

Viele Autovermieter verbieten die Mitnahme des Fahrzeugs nach Kangaroo Island; daher ist bei der Auswahl des Vermieters gezielt zu überprüfen, ob das Fahrzeug auf die Insel mitgenommen werden darf. Die meisten Vermieter verbieten die Benutzung des Fahrzeugs auf unbefestigten Strassen. Auf Kangaroo Island sind rund 85 % des Strassennetzes unbefestigt.

Die Fähre nach Kangaroo Island ist unverhältnismäßig teuer. Für die Hin- und Rückfahrt unter Mitnahme eines PKWs muss auf der kurzen Strecke mit 300 Euro gerechnet werden. Das ist in etwa das siebenfache der Fährkosten zwischen Dover und Calais oder etwas teurer als die Überfahrt von Italien (Bari) nach Griechenland (Patras) in der Hauptsaison.

Die Fluggesellschaft Regional Express Airlines bedient die Strecke Adelaide nach Kingscote auf Kangaroo Island mehrmals täglich. Zum Einsatz kommen ausschließlich Flugzeuge des Typs Saab 340B mit ca. 35 Sitzplätzen. Bedingt durch die Kleinheit der zum Einsatz kommenden Flugzeuge ist die Mitnahme des Gepäcks auf 15 kg beschränkt. Im Flughafen Adelaide besteht die Möglichkeit, gegen Gebühr Gepäck einzulagern. Der Hin- und Rückflug ist für etwas weniger als $A 200 direkt auf der Homepage von REX buchbar.

Allerdings benötigt man dann auf Kangaroo Island einen Mietwagen. 2007 schrieb Christian Röwekamp u.a. in Spiegel Online, dass es auf der Insel zwei Verleiher mit gerade mal 48 Mietwagen gäbe.
http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,462042,00.html

Dies spiegelt sich im Preis wieder: bei Budget, neben Hertz einer der zwei Anbieter, muss man mit mindestens 88 A$ pro Tag rechnen, allerdings sind hierbei nur 100 Freikilometer eingeschlossen – also ein weitaus höherer Preis als in Australien üblich.

In dem Bericht von 2007 weist der SPIEGEL auch noch auf ein anderes Phänomen hin: im Osten der Insel trifft man auf keine Tiere, zumindest nicht auf lebende. Auf der nördlichen geteerten Strasse ein ähnliches Phänomen, als einzige Tierart findet man hier Schafe. Dies zeigt, dass die Insel heute aus zwei Bereichen besteht, die sich schlecht miteinander vertragen.

  • Bis ca. 1945 gab es auf der Insel die Städte Kingscote, das um ein Haar die Hauptstadt von South Australia hätte werden können, den Fährhafen Penneshaw und eine Stadt dazwischen mit dem eigenartigen Namen American River. Der Rest der Insel bestand aus weitgehend unberührter Natur.
  • Nach dem 2. Weltkrieg geriet die landwirtschaftliche Nutzbarkeit der Insel in den Blickpunkt der Entwicklung. 1961 wurde im Zentrum der Insel die Stadt Parndana gegründet, auch um Veteranen der australischen Armee, die hier seit 1948 angesiedelt wurden, eine Heimat zu bieten. Mitte der 60er Jahre war Kangaroo Island ein bis auf kleinere Gebiete im Westen (Flinders Chase National Park) und Süden intensiv agrarisch genutztes Gebiet.
  • Ende der 60er Jahre begann ein Umdenken. Die Aufsiedlung in Parndana war weitgehend wirtschaftlich gescheitert, die Bestimmung von Kangaroo Island als Naturdenkmal geriet wieder in den Mittelpunkt.
Dennoch gibt es bis heute einen Dualismus zwischen Landwirtschaft und Naturschutz auf Kangaroo Island. Zum Beispiel zahlen die Landwirte Abschussprämien für Känguruhs und lassen Profijäger vom Festland aus einfliegen. Während auf vielen Strassen in South Australia die Höchstgeschwindigkeit 100 km/h beträgt, darf man auf den meisten Strassen auf Kangaroo Island Tag und Nacht 110 km/h fahren – das Ergebnis dieser Raserei sieht man am Strassenrand, wo Hunderte von Kadavern davon Zeugnis ablegen, dass auf Kangaroo Island Tiere leben.

Australien ist 2012 ein vergleichsweise teures Urlaubsziel. Wer nach Kangaroo Island reist, muss sich vorab darüber klar sein, dass ein Aufenthalt auf der Insel auch im Vergleich zum restlichen Australien extrem teuer ist. Für einen dreitägigen Aufenthalt auf der Insel muss man für zwei Personen mit Kosten zwischen A$ 1.200 und 1.500 rechnen. Wir haben die Kosten im einzelnen spezifiziert:
  • Die Anreisekosten betragen ca. A$ 350.
  • Für drei Übernachtungen (2 im Kangaroo Island Wilderness Resort, eine in Kingscote) werden ca. A$ 460 fällig.
  • Die Kosten für ein Frühstück im Wilderness Resort betragen pro Person A$ 25, in Kingscote A$ 20, gesamt A$ 140.
  • Für ein Lunch veranschlagen wir im Schnitt A$ 15, als A$ 90, für das Diner in der Wilderness Lodge sollte man mit Getränk pro Person A$ 45 rechnen, in Kingscote empfehlen wir den Besuch eines günstigen mexikanischen Restaurants (A$ 22), für das Diner also A$ 224. Die Verpflegungskosten betragen somit insgesamt A$ 454.
  • Zu Buche schlagen auch die Eintrittskosten. Der Eintritt in den Nationalpark ist mit A$ 10 noch recht günstig, die Koala-Nachttour in Hanson Bay verlangt A$ 22. Das sehenswerte Paul's Place an der Nordküste verlangt A$ 15, der Besuch bei den Seelöwen in Seal Bay wird mit A$ 30 berechnet. Günstig ist die Fütterung der Pelikane in Kingscote, hier werden lediglich A$ 5 fällig. Insgesamt kostet der Eintritt für zwei Personen A$ 164.
Ohne Benzin und Mietwagen kommt man somit für einen dreinächtigen Aufenthalt auf insgesamt A$ 1.428 für zwei Personen.

Wie sich die Preise in den letzten Jahren entwickelt haben, zeigt ein Blick in den SPIEGEL-Artikel von 2007. Der Reporter berichtet, dass der Besuch bei den Seelöwen sehr lohnend, aber vergleichsweise teuer sei. 2007 wurden für den Strandbesuch bei den Säugern A$ 13,50 fällig, zum damaligen Kurs 8,40 Euro. 2012 betrug die Eintrittsgebühr stolze A$ 30, zum heutigen Kurs rund 25 Euro. Diese Preisanhebung soll, so eine Sprecherin von Tourism South Australia, auch deshalb erfolgt sein, damit die Seelöwen durch weniger Besucher weniger Stress haben sollen. U. E. ist dies eine sehr fadenscheinige Begründung !

Alternativ kann Kangaroo Island im Rahmen einer ein- oder mehrtägigen geführten Rundreise besucht werden. Größter Veranstalter ist die Firma Sealink, die auch die Fähre betreibt.

Die Tagestour ab Adelaide kommt auf A$ 396 pro Person, mehrtägige Touren sind ab A$ 500 pro Person zu erhalten. Wirtschaftlich gesehen ist Kangaroo Island kein interessantes Ziel für Individualreisende.
Joerg-M. Lenz
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Re: AUSTRALIEN-INFO Recherchereise 2012: Southern Australia

Beitragvon lenz am Sa 31. Mär 2012, 22:22

Roland Peyer berichtet aus Adelaide (South Australia)

Adelaide – lebenswerte Hauptstadt von South Australia (Kapitel 26)

Melbourne ist nach William Lamb, dem zweiten Vicount Melbourne benannt, Brisbane nach dem Schotten Sir Thomas Makdougall Brisbane.
Auch Adelaide hat einen Namensgeber, allerdings ist sie weiblich, wurde auf einen anderen Namen getauft und (nach heutigen Grenzen) Thüringerin. Die Rede ist von Prinzessin Adelheid Louise Theresa Caroline Amalia von Sachsen-Meiningen, der Tochter des Herzogs Georg I. von Sachsen-Meiningen und seiner Frau Louise Eleonore geborene Prinzessin von Hohenlohe-Langenburg. Ihre Beziehung zu England entstand, als sie 1818 Prinz Wilhelm von England heiratete. Die Beziehung war keine direkte Liebesheirat, war doch der Bräutigam 27 Jahre älter als die Braut und hatte bereits mit seiner Geliebten 10 Kinder.

Durch diverse Todesfälle wurde Wilhelm, der in seiner Jugend zur See gefahren ist und zeitlebens sich wie ein Seemann benahm – er spuckte regelmässig auf den Boden und bezeichnete seine Krönung als Theaterstück – zum König Wilhelm IV., von seinen Untertanen wenig respektvoll als Silly Billy bezeichnet. Adelheid wurde unter ihrem anglisierten Namen Adelaide Königin von England, die Ehe blieb ohne überlebende Kinder. Die illiegitimen Nachkommen von Silly Billy sollten Karriere machen, der bekannteste heute lebende ist der englische Prämierminister Cameron.
Insgesamt hat Wilhelm IV. seine Ehefrau, die er selbst als „poor dear innocent young creature to be my wife“ bezeichnet hat, hinreichend passabel behandelt, zumindest aber bestand er darauf , dass die Hauptstadt der neuen Kolonie South Australia nach ihr benannt wurde.

Adelaide ist eine sehr übersichtliche, planmässig angelegte Stadt. Von Anfang an bestand sie aus zwei Teilen, dem eigentlichen Adelaide als Verwaltungssitz und North Adelaide als Wohnort. In North Adelaide hat sich verhältnissmässig viel alte Bausubstanz erhalten, der Stadtteil macht für euroipäische Massstäbe einen kleinstädtischen Eindruck, lohnt aber alle Male einen Spaziergang.

Adelaide ist sehr regelmässig angelegt. Die Strassen sind schachbrettartig ausgeführt, umgeben wir die Innenstadt von vier rechtwinklig aufeinder zulaufenden Ringstrassen, den sogenannten Terraces, die nach der jeweiligen Himmelsrichtung benannt sind. An der North Terrace liegen die meisten Verwaltungsgebäude. Den Terraces schliesst sich ein Grün- und Parkgürtel an, der die Innenstadt von North Adelaide und den Vorstädten trennt.

Für australische Verhältnisse ist die Stadt recht klein, in der Innenstadt kann jeder Ort zu Fuss erreicht werden. Zusätzlich gibt es noch die kostenfreie innerstädtische Buslinie 99C, auch die einzige Strassenbahnlinie kann im Innenstadtbereich kostenlos benutzt werden. In der Fussgängerzone in der Rundle Mall wird eine kostenfreie Beförderung mit einer Art Golfcarts angeboten.

Adelaide hat so gut wie keine Einwohner. In der eigentlichen Stadt, der City of Adelaide, also in der Innenstadt und in North Adelaide lebten 2009 lediglich 19.444 Bürger. Zusammen mit 19 anderen kommunalen Strukturen bildet die City die Metropolregion Adelaide mit 1.203.873 Einwohnern (2010). Die Metropolregion umfasst eine Fläche von 1.829 qkm.

Adelaide war seit seiner Gründung als Verwaltungssitz geplant. Bis heute auffällig ist die Großzügigkeit und Breite der Strassen. Neben den Regierungsgebäuden, zahlreichen Kirchen, drei Universitäten und mehreren Museen verfügt die Stadt auch über eine für Touristen interessante Infrastruktur.

Neben der Fussgängerzone in der Rundle Mall mit ihren eleganten Passagen sind insbesondere die Tandanya Gallerie mit ihrer interessanten Sammlung von eingeborener Kunst, das South Australian Museum und die Art gallery zu nennen.

Ein besonderer Ort ist der Central Market, ein grosses, in einen asiatischen und einen australischen Teil gegliedertes bazarartiges Marktgebäude. Hier findet man neben frischen Lebensmittel zahlreiche Foodcourts und Restaurants, in denen man ebenso gut frühstücken wie auch einen preiswerten Lunch geniesen kann. Der Markt schließt früh, um fünf Uhr ist hier alles dicht, freitags ist er allerdings bis neun Uhr geöffnet.

Unmittelbar südlich vom Zentralmarkt liegt die Gauger Street, die Restaurantstrasse Adelaides. Hier findet man eine Vielzahl verschiedener Restaurants. Man kann hier bis spät in den Abend speisen, auch unter der Woche sind die vielen Tische im Freien gut besucht.

Das Nachtleben von Adelaide spielt sich in der Hindley Street ab. Anders als Kings Cross in Sydney ist diese Strasse weitgehend ungefährlich, Alkohol und Musik bestimmen die von jungen Leuten beherrschte Szene.

Auch Adelaide hat seinen Strand. Ähnlich wie St. Kilda in Melbourne kann der Strand, der sich in Glenelg befindet, mit der Strassenbahn erreicht werden. Man findet hier einen passablen Sandstrand mit einem Pier, allerdings verfügt Glenelg nur in Ansätzen über eine Strandprommenade. Die Haupteinkaufsstrasse, die Jetty Road, führt vom Strand weg und wird von der Strassenbahn und vielen Fahrzeugen benutzt, so dass keine Flanierstimmung aufkommen will. Angenehmer ist das nördlich gelegene Henley Beach, wo man tatsächlich entlang des Strands flanieren kann.

Das Metropolgebiet von Adelaide umfasst aber nicht nur die Innenstadt, sondern auch mehrere Weinbaugebiete, ja sogar einen Nationalpark. Weinbau findet man in den Adelaide Hills, die die Stadt nach Westen begrenzen. Hier sind auch die bevorzugten Wohnlagen des Grossraums, die Urbanisation geht unmerklich in Landschaft über. Sehenswert ist der Belair National Park, durch den eine Eisenbahnlinie verläuft. Den wohl schönsten Ausblick auf den Grossraum Adelaide kann man vom Mount Lofty mit seinem botanischen Garten geniesen.

Einfacher zu erreichen ist der botanische Garten in der Stadt an der North Terrace. Die schöne parkartige Anlage ist, insbesondere an wärmeren Tagen, eine nahegelegene schattige Oase am Rande der Innenstadt mit einer Sammlung äusserst interessanter Pflanzen.

Südlich von Adelaide liegt ein weiterer Nationalpark, der Onkaparinga River National Park sowie eines der besten Weinbaugebiete in South Australia rund um das Städtchen McLaren Vale.

http://www.australien-info.de/adelaide.html
Joerg-M. Lenz
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