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Krankenwagen in Oz

Alles was deutschsprachige, die in Australien sind, interessiert und den Alltag Down Under erleichtern kann

Krankenwagen in Oz

Beitragvon HannesGR am Fr 2. Aug 2019, 14:35

Bekam gerade Info von meinem Filius, er brauchte schnellstens einen Krankenwagen.
Hatte aber den "Fehler" gemacht und selber angerufen; wenn man in der Lage ist, selber anzurufen, wird man
auf der Dringlichkeitsstufe unten angesiedelt (40 Minuten ---> Kategorie 4)
Lässt man alarmieren, kann man in die Kat. 1 eingestuft werden - 5 Minuten (obwohl irgendwo in der Walachei - im Outback - na ja). Fazit: nach Möglichkeit anrufen lassen . . . .
Johannes
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Re: Krankenwagen in Oz

Beitragvon Followme am So 4. Aug 2019, 12:52

Das musst Du bitte mal näher erklären.

Dein Sohn ist in Australien und braucht medizinische Hilfe,

und es soll tatsächlich in AUS so sein, dass die Dringlichkeit nicht von der Art des Notfalls abhängt? Ich meine, diese Art der Priorisierung (also nach der der Schwere des Notfalls) ist internationaler Standard. Ich bin selbst Berufsfeuerwehrmann und Rettungsassistent, derartiges habe ich noch nie gehört!

Im Übrigen macht eine Priorisierung (sprich Triage) nur wirklich Sinn, wenn man nicht genug (Rettungsdienst-) Kapazitäten zur Verfügung hat. Ansonsten wird bei einem Notruf das nächstgelegene Rettungsmittel in Bewegung gesetzt. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass das in AUS anders ist.

Man stelle sich vor (ich übertreibe jetzt mal) jemand haut sich eine Axt ins Bein, ruft die 000 an und hört "ja da Du ja selber anrufen kannst wird es schon nicht so schlimm sein, hab Geduld Mate..."

Und das mit dem Outback und 5 Min leuchtet mir auch überhaupt nicht ein. Oft sind es einige 100km in jede Richtung. Selbst wenn man Glück hat, dass das nächste Flugzeug vom RFDS 200 km entfernt steht, dürfte es mindestens eine Stunde dauern bis die Hilfe da ist. Und das halte ich wirklich schon für optimistisch.

Ich denke gerade an den Oodnadatta Track, da habe ich in Williams Creek übernachtet, in Marree ist eine Krankenstation mit Nurse und eine Ambulanz vom RFDS. Die bräuchte locker 2 Stunden bis die über die Piste in Williams Creek ist. Die Lady im Roadhouse war vollkommen alleine in Williams Creek, der Pilot der dort ansässigen Roundtripp- Agentur war zum Einkaufen mit seinem Flieger in Coober Pedy. Da darfst Du halt nicht krank werden, egal ob du selber anruftst oder jemand anders!

Vielleicht habe ich Dich ja aber auch falsch verstanden!
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Re: Krankenwagen in Oz

Beitragvon HannesGR am So 4. Aug 2019, 13:53

Mein Sohn hatte Baumharz in die Augen bekommen und einen allergischen Shock erlitten, konnte aber selber
anrufen - da hatte die Ambulance Service ihn wohl in die "non-urgent calls" eingeordnet. Er wurde letztendlich ins Krankenhaus überführt.
QUOTE
Geht mir wieder besser. Brauchte dank allergischer Reaktion auf Baumharz in meinen Augen drei Krankenwagen, da jeder die Situation unterschätzte- wenn man selbst seinen Krankenwagen rufen kann wird man wohl automatisch niedrig eingestuft. Erster dauerte 40 Minuten (Kategorie 4), zweiter 15 (Kategorie 2), dritter 5 (1). Zwei mal Adrenalin, zwei mal Morphium. Ging mir richtig dreckig. Wusste auch nicht, dass Augen so weh tun können. Man lernt nie aus...
UNQUOTE
https://stjohnwa.com.au/ambulance-and-h ... onse-times
Response times are a key indicator in measuring our performance. Our metropolitan response time targets are as follows:
Attend to 90 per cent of emergency calls within 15 minutes
Attend to 90 per cent of urgent calls within 25 minutes
Attend to 90 per cent of non-urgent calls within 60 minutes
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Re: Krankenwagen in Oz

Beitragvon Followme am So 4. Aug 2019, 14:25

Okay, danke für deine Rückmeldung!

Zunächst, gut dass es Deinem Sohn wieder gut geht. Das glaube ich gerne, dass das sehr sehr unangenehm ist, Baumharz in die Augen zu bekommen. Ich selbst halte das auch für einen absoluten (dringenden) Notfall

Wenn ich das jetzt aber richtig verstanden habe, dann ist nicht ausschlaggebend, dass dein Sohn selber angerufen hat, sondern dass aufgrund seiner Schilderung der Notfall
falsch eingeschätzt worden ist.

Was ich mir vorstellen kann: es wurde das falsche Rettungsmittel geschickt. Will ich mal an Hand den Berliner Gegebenheiten erklären:

Es gibt Krankentransportfahrzeuge (KTW) die können nur transportieren, habene eine Grundausbildung in 1. Hilfe und sind für Notfallrettung weder qualifiziert noch ausgerüstet.

Dann gibt es Rettungswagen (RTW) Typ B. Die werden in der Notfallrettung eingesetzt, es muss mindestens ein Rettungsassistent an Bord sein. Es ist das Standardrettungsmittel für Notfälle.

Seit ein paar Jahren gibt es den RTW Typ C. Da ist mindestens ein Notfallsanitäter an Bord. Dieser ist geschult in EKG- Auswertung und hat einige ärztliche Kompetenzen.
Er darf auch eigenverantwortlich ca.25 (verschreibungspflichtige) Notfallmedikamnete intravenös verabreichen.

Steigern kann man das dann nur noch durch die Entsendung eines Notarzteinsatzfahrzeug (NEF). Hier komt dann ein ausgebildeter Notfallmediziner.


Übertragen auf den Notfall deines Sohnes könnte ich mir vorstellen, der Disponent hat die Dringlichkeit des Notfalls nicht erkannt und einen KTW geschickt, der hat dann festgestellt er braucht einen RTW, dann kam ein RTW Typ B und der hat dann festgestellt, er braucht einen RTW Typ C...

Das würde auch eine logische Erklärung für die unterschiedlichen Wartezeiten abgeben. Auf einen KTW würdest du bei uns auch lange warten.

Das ist eine vage Vermutung, aber dass es daran lag, dass dein Sohn selbst angerufen hat, glaube ich tatsächlich nicht.
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Re: Krankenwagen in Oz

Beitragvon Zoppo am Mi 28. Aug 2019, 01:55

Vorgestern auf Channel 7 Adelaide.
Etwa 16 Patienten warteten einen Tag weil kein Krankenhaus platz fuer Ihre Aufnahme hatte.
4 Patienten mussten 2 Tage auf Ihre Aufnahme warten.

Begruendet wurde dies weil Montag war und die alten Patienten noch nicht entlassen waren und zu viele vom Wochenende hinzukamen.
Allerdings lies man offen wo die Patienten in der Wartezeit untergebracht wurden.
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Re: Krankenwagen in Oz

Beitragvon Rusty am Fr 30. Aug 2019, 21:30

Wie so oft, habe ich nur die Überschrift gelesen.
War innerhalb der letzten Monate hier in WA 6 x mit dem Krankenwagen unterwegs. Km ca. 1.500. Busso to Bunbury 3 mal und dann Perth zurück 2 mal. Kosten null.
Gilt natürlich nur fuer Einheimische und ab 65 Jhr.. oder mit der nötigen Versicherung oder der Mitgliedschaft der Rettungsorganisation.
Warten musste ich nie, wurde erst gestern nach Haus gebracht und hatte 2 Std. eine sehr nette Unterhaltung mit zwei jg. Leuten hinter mir, bevor ich kurz auf der Pritsche im Mercedesvan einschlief.
Die brachten mich bis an die Haustür und ich habe meine Beurteilung des australischen Gesundheitssystems total revidiert.
Könnte kaum besser sein, naechste Woche weiss ich noch mehr. Alle Einzelheiten hat das Busso Hospital und das TV tele health meeting ist nächste Woche tuesday 11 am.
Kostet alles Geld, aber dafür zahlte ich gerne Steuern. Gar manches hat zwei Seiten, oder mehr.
Natürlich blockieren hier, vor allem am Wochende, nicht nur absolute Notfälle die Hospital emergencies, sicher ähnlich in Germany.
Weder hier noch dort, koennen Menschen mit Husten oder Fingerschnitten abgewiesen werden, ein weiterer Grund hier zu leben.

Wie halt so immer, jedem das Seine und uns allem das Beste.

Servus

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