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Entscheidungsfreude ...

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Entscheidungsfreude ...

Beitragvon Gast am Di 9. Apr 2013, 20:12

Hallo liebe Forum-Mitglieder !

Viele Themen wurden bereits mehrfach in diesem – wirklich sehr interessanten – Forum angesprochen und diskutiert. Allerdings ist jede Situation irgendwie einzigartig und ich hoffe ihr habt deshalb Verständnis, wenn ich meine Gedanken hier kurz erläutere und Euch um Eure Erfahrung und Meinungen bitte.

Kurz zu uns: Meine Freundin und ich waren 2009 mit dem WHV in Australien. Anschließend in Neuseeland (nur Südinsel) und mehrere Monate in Südostasien. Seit 05/2011 sind wir wieder zurück in Deutschland und wohnen im schönen Hamburg. Meine Freundin ist 30 Jahre alt und hat nach Ihrem Studium zur Landschaftsarchitektin ca. 2 Jahre Berufserfahrung sammeln können. Derzeit arbeitet sie 3 Tage als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Hannover und 2 Tage in einem Büro in Hamburg. Ich bin 31 Jahre alt, gelernter Kfm. im Groß- und Außenhandel und derzeit bei Airbus Hamburg in der Produktion als Planer tätig.

Die Situation: Wir sind beide mit unseren Berufen nicht sonderlich glücklich. Meine Freundin wird, sofern wir nicht Auswandern, aus Ihrem Beruf spät. zum Herbst aussteigen und etwas komplett anderes machen. Ich würde lediglich aus finanziellen Gründen in meiner Firma bleiben. Derzeit habe ich 2 Angebote, da meine Abteilung aufgelöst wird, vorliegen, wobei ich entweder in der Produktion oder im Einkauf arbeiten könnte.
Was uns beiden fehlt ist schlicht und einfach – Bewegung und die Natur.

Wir haben es geliebt in Australien und Neuseeland der Natur so nahe sein zu können. Unglaubliche Landschaften, den weiten Himmel und andere Kulturen erleben zu dürfen, Englisch zu sprechen. Uns scheint der Lebensinhalt ewig am Rechner sitzen zu müssen absolut nicht erfüllend.

Während unserer damaligen langen Reise konnten wir uns immer treiben lassen, Entscheidungen wurden aus dem Bauch heraus beschlossen oder ergaben sich einfach von selbst … nennen wir es Schicksal. Es war ein gutes Gefühl. Heute können wir uns einfach nicht entscheiden was bzw. wohin wir wollen.

Die Idee: Neuseeland und Australien haben uns gleichermaßen begeistert, daher werden wir uns dieses Jahr auf ein State Sponsorship Visa in Australien bewerben. Für NZ halten wir beide ein gültiges WHV bis 12/2013. Sollten wir dort die Möglichkeit bekommen ein work visa vor Ort zu bekommen, würden wir natürlich gerne in NZ bleiben wollen. 4 Jahre später dann nach Australien umsiedeln (ist das möglich/sinnvoll?). Konkrete Berufe sind nicht vorgesehen, da wir absolut flexibel sein wollen. Bevorzugen würden wir jedoch ganz klar Tätigkeiten die uns nciht an den PC fesseln.

Wir könnten uns so die Türen für beide Länder offen halten.

Fragen:

Sollten wir eine Auswanderung durch ein WHV überhaupt wagen oder lieber in Deutschland arbeiten und direkt auf eine Auswanderung nach Australien sparen?
Wenn wir während des WHV keinen Sponsor in NZ finden, jedoch ein Work visa für Australien bekommen, würde es vom heutigen Standpunkt aus Sinn machen nach NZ zu fliegen?
Was ist förderlicher bei der Jobsuche: der berufliche Hintergrund Produktionsplanung oder Einkauf?
Hat jemand Erfahrung mit Landschaftsarchitekten?
Würdet ihr einen sicheren, gut-bezahlten Job in Deutschland für ein WHV aufgeben? Ich hatte dies bereits schon einmal getan, nur geringfügig bereut, habe aber dieses mal aufgrund meines zerrissenen Lebenslaufes ein wenig mehr Bedenken.
Wo besteht für Euch der Unterschied zw. dem Wunsch auszuwandern oder eines Abenteuers?

Normalerweise bin ich nicht der große Schreiber, würde nur gerne meine Gedanken nicht über das gesamte Forum verteilen wollen. Deshalb hier kompakt.

Wir freuen uns auf Eure Antworten.
Gast
 

Ein paar Gedanken dazu

Beitragvon Gast am Mi 10. Apr 2013, 01:30

Hi Mate, ich weiss nix ueber ein WHV, sorry.
Ich bin als Rentner durch Zufall nach Australien "reingestolpert" weil meine australsische Freundin mich mitgenommen hat als "Souvenier" aus Europa mit einem Partner Visa, und spaeter (2008) bin ich darueber in einen "permanent Resident" gestolpert, ohne das ich jemals ueberhaupt nach Australien wollte.
Deswegen sind meine Erfahrungen auch komplett anders wie bei vielen hier, weswegen mich auch einige der deutschen-Buerokraten-Stadtfraecke manchmal als Geschichten-Tante hinstellen.
Was soll's, wen stoert's.
Aber ich verstehe deine Gedanken.
Auszuwandern ist erstmal ein Abenteuer, weil es etwas unbekanntes ist.
In deinem Fall nicht so, weil du schon Traveln warst in den Laendern wo du hinwillst.
Meine persoenliche Ansicht, gerade als Mensch, ist, das ich dich verstehe.
Ich wuerde heute nie wieder nach Deutschland zurueck gehen.
Deutschland ist ein Fleischwolf das Menschen an ihre Grenzen treibt und Leben heisst dort Ueberlebenskampf.
Australien ist manchmal fuer mich (als Deutscher) fuerchterlich, weil es nur China Schrott zu kaufen gibt, Garantie nur auf dem Papier besteht, und jeder versucht dich zu bescheissen, wo immer es nur geht.
Aber auf der anderen Seite moechte ich das Leben hier nicht mehr missen, weil man versucht dich zu bescheissen auf eine sportliche Art mit einem Laecheln, und hinterher koennen beide Seiten sich zusammen im RSL Club zusammen setzen und ein Bier trinken.
Wenn man lernt mit der Mentalitaet umzugehen, ist Australien schoen.
Aber das heisst, sich einpassen und anpassen, womit VIELE Deutsche Probleme haben.
Ich erkenne deutsche Touristen heute an der Stimme und der Bewegung. Die Sprache ist hastig, wie ein Maschinengewehr, die Menschen sind steif, gespannt und laufen herum wie "mit einem Stecken im Hintern".
Ich kann mich heute schon bewegen und sprechen wie ein Aussie d.h. cool und relaxed.
Wer bewusst in Deutschland nicht leben will und nach Australien will, dem kann ich nur sagen, gute Idee.
Es steigert die Lebensqualitaet im Quadrat.

Gerade haben uns Freunde verlassen.
Ein junges Paar um die 30.
Beide liebten die Natur und Australien und sind zusammen ausgewandert und in die Blue Mountains.
Er mochte es dort in einem selbstgebauten Haus im Busch zu wohnen, ging "Abseiling" und mit den Hunden auf Wildschweinjagd.
Sie mochte das auch anfangs, aber dann kam die Frau in ihr durch und sie dachte an Kinder und dafuer ein nettes Apartment.
Sie wollte in die Stadt und eine Familie aufbauen.
Er wollte weiter in den Busch.
Heute sind beide zurueck in Deutschland und geschieden.

Hier kommen wir auch zum "anpassen".
Ich traff viele Deutsche die gehen in deutsche Clubs, auf das deutsche Oktoberfest, verkehren nur mit deutschen, sprechen zuhause nur Deutsch, erziehen die Kinder als Deutsche.
Die verstehen dabei nicht das die dadurch Auslaender bleiben ihr ganzes Leben lang.
Wie ist es denn in Deutschland wenn Auslaender Ghettos bilden und ihre Kultur und ihre Sprache dort sprechen.
Moegen das die Leute?
Wie ist es dann in Australien?

Ich habe Glueck und habe eine australische Partnerin und verkehre dadurch nur mit Australiern und wo ich Kontakte zu deutschen habe rede ich nur englisch.
Anpassen und einfuegen !
Als der betrunken Irlaender im Club zu mir kam und mich anpoepelte, es waeren zuviele Deutsche da und ich sollte zurueck nach Deutschland gehen, sagte ich, geht nicht, to many fucking germans there ......
Die Lacher waren auf meiner Seite, und ich war "drin".

Viele Deutsche machen sich hier zu sehr das Leben schwer mit der deutschen Vergangenheit.
Angefangen mit dem ganzen Hausstand mitnehmen per Container (Bullshit, kann man hier alles schneller und billiger neu kaufen), alles grossartig "planen" (tut man in Australien nicht. Hier lebt man und ergreift Gelegenheiten. Es ist nicht genug ..... "Basis" da mit der man planen koennte, wie in Deutschland) oder deutsche Ghettos bilden und immer Auslaender und "fehl am Platz" bleiben.

Gerade auch in einem anderen Threat habe ich z.B. Probleme mit den Kindern beschrieben.
Mein deutscher Freund der zurueck nach Deutschland ist, der wollte seine Kinder als "richtige" Deutsche haben, und erziehen.
Ich habe ihn auf die Kinder meiner Partnerin hingewiesen die heute stark psychisch belastet sind, weil die nach 25 Jahren mit einem deutschen Papa und einer australischen Mama schwer belastet sind, entwurzelt, leiden.
Mit der Mama nur englisch reden und "Heim" nach Australien wollen.
Mit dem Papa nur deutsche reden und "Heim" nach Deutschland wollen.
Vermissen die deutsche Grosseltern wenn die in Australien sind und vermissen die australischen Grosseltern wenn die in Deutschland sind.
Heute sind die "Kids" um die 20 - 22 und kriegen keine Partnerschaften auf die Reihe, wissen sich nicht einer Kultur zugehoerig, wissen nicht wohin die nun "Heim" gehen sollen, gefragt in deutsch war sie sind sagen die spontan "Australier" und gefragt in Englisch sagen die dann spontan "Deutsche".
Auch etwas was man nie vergessen sollte wenn man auswandert.

Ein deutscher macht schon einen Plan wenn er nur auf's Klo geht.
In Australien funktioniert das so nicht.
Hier macht man alles aus dem Bauch heraus, weil es keine geregelten Lebensverhaeltnisse gibt wie in Europa, die man planen koennte.
So sollte man nicht soviel planen.

Aber ihr solltet das ueberdenken, und mit um die 30 ist das wichtig :
Wollt ihr auswandern "fuer immer"?
Und was soll passieren wenn es um Familiengruendung geht?
Wollt ihr als Menschen (nicht auf dem Papier, ich meine als Menschen) das deutsche aufgeben und wirklich Australier oder Kiwis werden?
Wenn nicht, wie schnell wird es passieren das (gerade Maedels) man mit Heimweh kaempft und einem die Eltern fehlen?
Und was passiert wenn das Auswandern schief geht und ihr zurueck muesst und Kinder habt?
Und wieviel seid ihr Bereit aufzugeben FUER IMMER nur um woanders zu leben?

Mein persoenlicher Tip, und erst nachdem ich DAS gemacht habe lebe ich wirklich gluecklich in Australien :
Wenn ihr auswandert, schmeist am Flughafen eure deutschen Paesse weg, deutsche Buecher weg, deutsche Filme weg, bringt nix deutsches mit euch, sprecht nie wieder deutsch.
Geht den Schritt mit dem auswandern RICHTIG und WERDET Australier oder Kiwis.

Ich kam das letzte mal nach Australien nur mit meinem Ausweiss und meiner Kleidung am Leib.
Die Dame am Flughafen wollte es nicht glauben das ich nicht mal 'ne Plastiktuete Waesche hatte.
Heute habe ich keinen Kontakt mehr zu alten Freunden (die sich auch viel von mir abgewendet haben weil "ich habe es ja geschafft aus Deutschland weg zu kommen"), zu meiner Familie (die sowieso ein Problem damit hatten das ich mit einer Auslaenderin ins Ausland bin) oder zurueck nach Deutschland zu irgendwas (auch als ich meinen deutschen Ausweiss und Fuehrerschein verlor meldete ich das der Polizei, aber ich schmies das deutsche Formular fuer Neuantrag weg).

Auf der Deutschen Embassy in Sydney hat man mir vor Jahren mal gesagt "Wenn sie nicht in der Lage sind sich selber zu helfen, dann sind sie in Australien fehl am Platz und sollten zurueck nach Deutschland gehen".
Ok, der komplette Satz war, das die mir nicht helfen wollten als ich Probleme mit meiner Rente hatte.
Die sagten mir, die deutsche Embassy ist nicht da fuer Deutsche im Ausland, sondern NUR um Deutschland im Ausland zu produzieren.
Arschgeigen.
Aber ich nahm mir das zu Herzen und lernte mir selber zu helfen.

Zu gehen, weg von Deutschland, muss ein Schritt sein dem man VOLLSTAENDIG geht.
An Heimweh kann man kaputt gehen.
Habe ich auch an anderen Deutschen hier gesehen.

Viele liebe Gruesse und viel Glueck und ..... Scheiss auf das Irrenhaus da drueben und komme hier rueber nach Oz !!!!

Gruesse

Peter "Mike" (ex Winni)
Gast
 

Unterschied Australien und Deutschland :-D

Beitragvon Gast am Mi 10. Apr 2013, 02:07

Zum Unterschied Australien und Deutschland.
Ich war gestern beim Autohaendler, Ford Regionalhaendler, ein grosser.
Mein Falcon brauchte einen grossen Service, Pink Slip (TUEV) fuer die Registrierung und da leuchtete die Airbag Lampe.
Da kam er dann an, der Serviceman und sagte zu mir, Du, da ist ein Problem mit der Elektrik und dem Airbag System.
Wenn wir das machen (die Ford Werkstatt) kommt das sehr teuer.
Aber ich kann dir zeigen was kaputt ist und du kannst zum Autoelektriker um die Ecke gehen, der kann das billiger reparieren.
Und den Pink Slip (TUEV) kannst du woanders machen, da gibt es keine Probleme, aber wir als Ford Haendler koennen es nur teuer machen und Pink Slip nicht geben.
Was ist nun was ich machen will, fragte er mich?
Ich sagte Danke, lies mir den Fehler beschreiben und ging (heute) zum Autoelektriker.
Und wenn ich wieder was habe, gehe ich wieder zum gleichen Ford Haendler, weil die Leute nett sind :-D
..................
SO habe ich Australien kennen gelernt, jedenfalls in der Ecke wo ich wohnte/wohne, Blue Mountains und Central Coast.
Jetzt stelle dir mal diese Situation in Deutschland vor.
Ich liebe Australien.
Hier gibt es keine Probleme und "Nachbarschaftshilfe" ist nicht nur ein Wort, sondern auch sozial eine Lebensregel.
Gast
 

Re: Entscheidungsfreude ...

Beitragvon Gast am Mi 10. Apr 2013, 03:34

Hallo,

freak-tom hat geschrieben:Uns scheint der Lebensinhalt ewig am Rechner sitzen zu müssen absolut nicht erfüllend.

Solche Jobs gibt's in Deutschland wie auch in Australien. Eine Auswanderung garantiert kein erfuelltes Arbeitsleben. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wuerdet Ihr aus beruflichen Gruenden von einer der grossen Staedte "abhaengig" sein. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wuerdet Ihr jeden Morgen im dicken Berufsverkehr stecken. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wuerde Euer Arbeitsleben in OZ/NZ genau so interessant oder langweilig sein, wie es das in Deutschland auch waere...

freak-tom hat geschrieben:...würden wir natürlich gerne in NZ bleiben wollen. 4 Jahre später dann nach Australien umsiedeln (ist das möglich/sinnvoll?).

Ihr muesstet dann die Bedingungen fuer ein australisches Visum erfuellen. Ein neuseelaendisches Permanent Resident Visa berechtigt Euch nicht, als PR nach Australien zu kommen. Alternativ koenntet Ihr nach 5 Jahren die neuseelaendische Staatsbuergerschaft erwerben. Mit der koenntet Ihr nach Australien "umziehen" und als PR dauerhaft bleiben.

Cheers,
Joerg
Gast
 

Re: Entscheidungsfreude ...

Beitragvon Gast am Sa 13. Apr 2013, 12:36

Selten soviel Mist gelesen wie bei 'Mike'. Das Leben ist nicht schwarz-weiss, ebenso wie kein Land schwarz-weiss ist und Selbstverleugnung ist kein Weg zu einer besseren Eingliederung, genauso wie Zweisprachigkeit keine Barriere ist. Es ist auch in Deutschland kein Tuerke deshalb nichtintegriert, weil er auch tuerkisch spricht a wichtig ist nur, dass er nicht nur tuerkisch spricht.
Gast
 

Re: Entscheidungsfreude ...

Beitragvon Gast am Sa 13. Apr 2013, 15:16

Also ich stimme dem Mike voll zu. Es ist wirklich so.

Zu freak-tom. Aus deinem post kann ich zwei Dinge herauslesen: Weg vom PC, die schöne Landschaft und Beruf macht keine Freude mehr. Meiner Meinung nach nicht genug um halb um die Welt auszuwandern.
Gast
 

Re: Entscheidungsfreude ...

Beitragvon pekkala am So 14. Apr 2013, 10:18

Und ich finde, sunnycoast hat Recht.
Gruss
Pekkala
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Beiträge: 105
Registriert: 19.09.2008

Re: Entscheidungsfreude ...

Beitragvon Gast am Di 16. Apr 2013, 01:58

peterwarden hat geschrieben:
Ein deutscher macht schon einen Plan wenn er nur auf's Klo geht.



Speak for yourself, mate :mrgreen:
Gast
 


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